Ein alter Holunderstrauch verrät mehr über die Natur als manches Kräuterbuch. Warum ich Holunderblüten lieber roh verarbeite und welche traditionelle Methode heute fast vergessen ist.
Wenn der Holunder im Frühsommer seine cremeweißen Blütenschirme öffnet, beginnt für viele die Sirupzeit. Doch genau das mache ich meist nicht.
Die alte Volksweisheit sagt:
„Vor dem Holunder sollst du den Hut ziehen.“
Kaum eine heimische Pflanze wurde über Generationen so geschätzt wie der Holunder. Er galt als Schutzbaum des Hauses und als Symbol für Lebenskraft und Fülle. Seine Blüten, Beeren und sogar das Holz hatten früher einen festen Platz im Alltag der Menschen.
Beim klassischen Holundersirup werden die Blüten oft mit Zucker aufgekocht. Dabei gehen ein Teil der feinen Duftstoffe und wertvolle Pflanzeninhaltsstoffe verloren. Der typische Holunderduft wird zwar süß konserviert, die ursprüngliche Lebendigkeit der Blüte aber deutlich verändert.
Deshalb verarbeite ich Holunderblüten lieber roh.
Das wissen die wenigsten
Die feinen Duft- und Aromastoffe der Holunderblüten sind sehr empfindlich. Durch langes Kochen gehen viele dieser Nuancen verloren. Deshalb bevorzuge ich schonende, rohe Zubereitungen, bei denen Aroma und Pflanzenstoffe besser erhalten bleiben.
Mein Lieblingsrezept: Holunderblüten-Oxymel

Zutaten
- 4-5 frische Holunderblütenschirme
- 100ml Apfelessig in Bioqualität, natürlich vergoren
- 200 g Bio-Honig
Zubereitung
Die Holunderblüten vorsichtig ausschütteln – NICHT WASCHEN – und die dicken grünen Stiele entfernen. Ich lege sie vorher auf ein Tuch auf, damit etwaiges Kleingetier wegkrabbelnd kann.
Mit Essig und Honig in ein sauberes Glas geben und gut verrühren. Wenn du eine größere Menge machen möchtest, dann verrühre zuerst Essig und Honig gut und gib dann die Blüten dazu.
Das Glas verschließen und etwa zwei bis drei Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen. Täglich kurz schütteln oder umrühren.
Anschließend abseihen und in eine saubere Flasche füllen.
Verwendung
- 1- 2 Eßl. in ein Glas Wasser geben und genießen
- als besondere Salatmarinade
- mit Mineralwasser und Zitronenscheiben als sommerliches Erfrischungsgetränk
- mit Prosecco als sommerlicher Aperitif
- als feine Ergänzung zu Erdbeeren und anderen Beerenfrüchten
Naturbeobachtung
Der blühende Holunder gilt seit Jahrhunderten als Zeichen für den Beginn des Frühsommers. Viele Insekten nutzen seine Blüten als Nahrungsquelle, später bieten die dunklen Beeren zahlreichen Vögeln wichtige Nahrung.
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